Kraftwerk-Notstopp für Kater Oskar
Normalerweise führt Kater Oskar ein beschauliches und entspanntes Leben bei uns in einem Loft in der alten Spinnerei Windisch. Vor zwei Tagen jedoch ist der Vierbeiner spurlos verschwunden. Einen Tag später hören wir erbärmliche Katzenlaute, welche unter einer Brücke herzukommen schienen. Ein Augenschein vor Ort bestätigt: Oskar ist in den Kraftwerkkanal gefallen und hat sich mit einem Sprung in einen Hohlraum der Brücke gerettet. Dumm nur, dass die Stelle von aussen nicht zugänglich ist. Alle Rettungsversuche mit einer schwimmenden Tragekonstruktion bleiben erfolglos.
Im Kenntnis der Situation kontaktieren wir Berufstaucher, die Betreiber des angrenzenden Wasserkraftwerks und die Feuerwehr. Der Kraftwerkbetreiber stellt klar, dass ein Tauchgang im fliessenden Kanal aus Sicherheitsgründen nicht in Frage kommt, ein Ausschalten der Turbinen jedoch mit einem grossen Aufwand und Produktionsverlust verbunden ist. Während der Kraftwerkbetreiber einen Notstopp für Dienstag Abend 19 Uhr plant, stehen wir im Kontakt mit dem Berufstaucher, welcher sich für den Tauchgang im Kanal zur Verfügung gestellt hat.
18.45 Uhr
Berufstaucher David Simon-Monjas trifft in Unterwindisch ein und beginnt sofort mit den Vorbereitungen für den Tauchgang. Gleichzeitig bereitet sich Maschinist Christian Froehlich vom Kraftwerkbetreiber Proma-Energie darauf vor, die Strömung des Kraftwerkkanals zu verringern und den Wasserpegel abzusenken. Die Absenkung des Pegels ist darum heikel, weil ein schnelles Herunterfahren der Turbinen zu einem kurzzeitigen Rückstau und einer Unterspülung der Brücke führen kann.
19.15 Uhr
Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Der Kanal wurde um rund 30 cm abgesenkt, das Wasserniveau auf stabiler Höhe eingependelt. Berufstaucher Simon-Monjas steigt - gesichert von einem Feuerwehrmann - in den Kanal ein.
19.35 Uhr
Kater Oskar kann gesichtet werden, hat sich jedoch verängstigt in eine für den Taucher unerreichbare Ecke unter der Brücke zurückgezogen. Taucher Simon-Monjas rapporiert die Situation nach oben, kann aufgrund des nun tieferen Pegelstands und sehr enger Platzverhältnisse nicht zu Oskar vordringen. Maschinist Fröhlich hebt daraufhin den Pegelstand leicht an.
19.50 Uhr
Mit zusätzlichen Hilfsmitteln gelingt es dem Taucher, Kater Oskar in einer Nische auszumachen und ihn zu beruhigen. Ein erneuter Versuche den Kater dingfest zu machen schlägt fehl. Maschinist Fröhlich bleibt die Ruhe in Person und überwacht akkurat den Pegelstand.
20.05 Uhr
Mit ruhigem Verhalten und Geduld gelingt es dem Taucher, den Kater weiter zu beruhigen und zu fassen. Trocken, etwas ausgehungert aber insgesamt wohlbehalten wird Kater Oskar an die Oberfläche befördert. Minuten später steigt Taucher David Simon-Monjas aus dem Kanal, der Machinist bekommt sofort die Freigabe, die Schleusen zu öffnen und die Turbinen hochzufahren. Um 20.15 Uhr ist das Wasserkraftwerk wieder mit Normalleistung am Netz und alle Beteiligten glücklich über die erfolgreiche Rettung.
Fotostrecke

Sorgenkater Oskar noch in guten Zeiten

Kraftwerkkanal und Brücke, mit Pfeil markiert Oskars Position

Hier steckt Oskar - für Fussgänger leider nicht zugänglich

Hier hin möchte Oskar nicht - Wasserkraftwerk mit Rechen

Kater Oskar, Laura Schnellmann und Taucher David Simon-Monjas
Links
Rettung von Kater Oskar, Aargauer Zeitung 06.02.2008
Proma-Energie
